Donnerstag, 21. Juni 2012

Urlaub im Urlaub

Ab Malbork ging es mit frisch geflickten Schuhen weiter in Richtung Osten. Unser Weg führte uns zum Oberlandkanal (Elblag) wo es ein 130 Jahre altes Schiffstransportsystem zur Überwindung der Höhenunterschiede zu sehen gibt. Ähnlich einer Drahtseilbahn werden die Boote auf Wagen die Rampe hinauf gezogen oder herab gelassen. Angetrieben wird diese Konstruktion von Wasserkraft. Die Wagen, haben wir auf den 5 Rampensystemen leider nie gesehen.
Die Schiffsrampen am Oberlandkanal
The Ship-ramps at the Elblagkanal

Erst am nächsten Morgen beim Zähneputzen an einem Biwakplatz bei einer solchen Rampe, kam auf einmal ein Boot vorbei gefahren. Die Wagen sind normalerweise unter Wasser - man sieht nur das Geländer (Brüstung)!  - seht einfach selbst auf dem Foto:

Unser nächster Stop war in Olsztyn (Allenstein)- am Fronleichnam, ein Feiertag in Polen - was wir schon auf dem Weg an den geschlossenen Lebensmittelläden (Sklep, die sonst 7 Tage die Woche geöffnet sind) und den geschmückten Altären und Blumen auf den Straßen bemerkten.
Salami kann auch mal Käse sein (in Polen)
Salami can also be Cheese (in Poland)
Eine Bahnfahrt steht an! Wir wollen voran kommen - so entscheiden wir uns am heutigen Tag 70km per Bahn zurückzulegen. Waren die Drahtesel und das Gepäck erst einmal den 1m Höhenunterschied hinauf gehieft, ging alles ganz einfach. Der Preis ist niedrig, es ruckelt und zuckelt und nach 45min waren in Satopy- Samulewo an. Es war erst früher Nachmittag daher treten wir wieder in die Pedale und fahren nach Reszel, wo wir das Schloss besichtigen und den Wehrturm erklimmen. Über Swieta Lipka mit einem barocken Jesuitenkloster geht es weiter nach Ketrzyn. Bei der Ankunft tobt die Euro über die große Leinwand im Ortszentrum. Wir bemühen uns um eine Unterkunft, was bei diesem langen Wochenende schwer ist. Die Empfehlung der Touristeninfo ist ein "Agro Turistika" Bauernhof 7km von der Stadt entfernt. Diese zogen sich zäh - mit Ungewissheit, ob das dort auch schön ist. Doch wir wurden sehr positiv überrascht - schön großer, gepflegter Bauernhof, gutes Essen und nettes Zimmer. Dazu gab es einen sehr schönen Abend mit Jürgen und Ursula - ebenfalls 2 Radreisenden, die gerade auf dem Weg einmal um die Ostsee sind - Wir erinnern uns gern an die gute Nacht Geschichte von Dornröschen.
Kathedrale in Reszel
Cathedral in Reszel

Nächster Tag - Wolfsschanze. Das ehemalige Hitlerhauptquartier Ost, liegt nur unfern von Ketrzyn. Wir besichtigten die teils zertörte Bunkerstadt, wo das Stauffenberg Attentat am 20. Juli 1944 stattgefunden hat. Dieses geschichtsträchtige Ereignis wurde leider als einzigstes gut erläutert, zu anderen Teilen des riesigen Komplexes gab es leider nur magere Informationen. Wir waren irritiert über die militaristische Darstellung des Ortes (es gibt einen Scharfschützen-Schießübungsstand und Panzerfahrten).

Das Denkmal zur Erinnerung an das Hitler Attentat durch Stauffenberg im Sommer 1944 in der Wolfsschanze
The monument to remind the assassination attempt against Hitler by Stauffenberg in the summer 1944 at the Wolfsschanze
Weiter geht es dann wieder über Ketrzyn, dort sind wir an der kleinen Burg vorbeigefahren und über Nakomiady dann bis nach Ryn. Dort haben wir an der Strandpromenade gepicknickt, während uns von der Bar nebenan eine Countryband musikalisch unterhalten hat. Abends kommen wir Mikolajki an und fahren weiter nach Stare Sady wo uns unser Couchsurfing-Host Ryszard erwartet. Die Landschaft ist sehr schön, der See lädt zum Segeln ein und wir haben in dieser touristischen Gegend nicht nur durch CS die Möglichkeit umsonst zu übernachten, sondern treffen auch noch unglaublich nette und interessante Personen. Ryszard gibt uns zum erstenmal Honigbier zum Trinken- das ist unglaublich lecker (halt ein Mädchenbier) und nicht nur Dank Ucijas selbstgemachtem Likör lernen wir, dass es immer noch einen letzten Schnaps gibt. Prost!
Nach ausgiebigem Schlaf und ebenso ausgiebigem Frühstück fährt uns Ryszard am Mittag nach Iznota/Gasior zu einem Kajakverleih. Wir wollen 2 1/2  Tage auf dem Fluß Krutynia paddeln gehen und planen eine 50 km lange Tour. Auf der Fahrt zum Ablegeort, meint unser Fahrer dann aber, wenn wir schon gut paddeln könnten, sollten wir doch eine längere Strecke wählen uns so werden es am Ende ca. 60 km. Wir legen bei Sonnenschein in Babieta ab und machen kurz darauf eine entspannte Pause zum Sonnenbaden auf der "Island of Love" (so nannte die Rentergruppe, die uns dort verdrängte die kleine Insel). Wir paddeln weiter bis Spychowo um fürs Abendessen einzukaufen, haben aber nicht eingeplant, dass Sonntags die Läden eher schließen. So gehen wir Piroggen (eine leckere Art gefüllter Maultauschen mit saurer Sahne und Zwiebeln) im Restaurant essen und zelten direkt nebenan beim Kanuclub PTTK. In der Nacht hören wir starken Regen ans Zelt prasseln.
 
Kajaktour auf der Krutynia in den Masuren
Kayak tour at the Krutynia river in Masuria
 Der nächste Morgen erwartet uns mit Wind und keinem Regen. Nach dem ersehnten Einkauf Frühstücken wir am Ufer paddeln wir bei grauem Himmel und frischem Gegenwind über den See "Jezioro Mokre". Dabei sorgen die Wellen dafür, dass wir nicht ganz trocken bleiben - hehe! Aus dem See hinaus führt der Wasserweg wieder die Krutyna flussabwärts durch Krutyn selbst und schlängelt sich weiter durch eine wilde Wald- und Wiesenlandschaft gen Süden. Gegen Abend -nach mehr als 25 Kajakkilometern- finden wir bei Rosocha einen schönen Biwakplatz, schlagen unser Zelt auf und schlagen auch die Mücken ;-)
 
Kajaktour auf der Krutynia in den Masuren
Kayak tour at the Krutynia river in Masuria
 Der Sonnenschein hat uns wieder! Heute -der 3. Kajaktag- wird auch der letzte sein. So paddeln wir nach ausgiebigen Frühstück weiter nach Utka und Nowy Most. Durch ein paar kleine Seen, die immer wieder durch den Fluss verbunden sind erreichen wir     das Örtchen Gasior bei Iznota am Betdany See. Dort werden wir von Ryszard wieder abgeholt - 1000 Dank noch einmal dafür! Am Abend fiebern wir mit ihm und seiner Familie beim Fussball EM Spiel Polen-Russland vor dem Fernseher mit, Ausgang leider unentschieden!
The Tour goes on! Wir sind wieder mit dem Fahrrad unterwegs. Weiter gen Osten nach Elk, wo Jörg und seine Familie unsere Gastgeber sind. (diesmal nicht über Couchsurfing, sondern über den ADFC)
Auf der Fahrt dort hin, haben wir das 1. Mal ernsthaft unsere Regensachen gebraucht und Dirk bekommt (endlich) einen Haarschnitt! 

From Malbork on we go further east along the "Elblag" channel, where we can see an old ship transportation system. The system can be compared somehow with cable cars that are powered by hydropower. Next day we were lucky to see some ships using the channel-ramps. On that day we got surprised by closed shops, flowers and altares at the street - after a while we noticed, it was the statutory holiday "Corpus Christi". (when travelling that long and if the grocery stores are open 7 days a week it's so easy to loose the weekday!)
We arrived in Olsztyn were we did a small city tour and next day we took the train to Satopy-Samulewo, just to save some time, cause we want to be in Moscow at Dirk's Birthday in July. We cycled on to Reszel were we visited the castle and the cathedral and afterwards went on to Swieta Lipka to see the baroque cloyster. Arriving in Ketrzyn exactly at 6 pm when the tourist information closes. The lady was so helpful (even if they already had locked the door) to recommend us a really nice "Agroturystika"- an old farmhouse with bed & breakfast and a restaurant. (http://www.ulabana.x01.pl/) Together with Jürgen and Ursula we where eating "Piroggen" (filled dumplings), chatting, watching the European football championship and listened carefully to the "good night story" of Dornröschen - just great!
Next day - Wolfsschanze. This has been the headquarter east of Hitler during the 3rd Reich. It comprises of a lot of (totally or partially) destroyed bunkers and a memorial for the assessination attempt against Hitler, organised by Stauffenberg in Summer 1944. We have been shocked and irritated how poor this place was presented.
However - we went on, cycling south, where we had a new couchsurfing invitation from Ryszard who lives in the nice lake area "Masures" close to Mikolajki. Together with his girlfriend Ucija, we spend a great evening and learned, that there are always one more last shot (Schnaps!)
No bicycles, now a kayak! We left some of our bags and the bicycles at Ryszards place to do a 2 1/2 day kayak trip at the river Krutynia. Ryszards brings us to the boat rental (many thanks again for that!) and the boat rental further on to our starting point close to Babieta. Through different lakes and after a nice stop on an island we arrived at Spychowo, where we camped at the ground of the local kayak club. The following day we fighted against strong wind and not neglectible waves on the next big lake. Once we reached the riverbed again, the tour was enjoyable again. After more than 25 km in the boat, we find a nice wild campground again, placed the tent and fighted with the moskitos ;-). The kayaktour goes further downstreams – the river curls through forest, grassland and fields. Finally reaching the Betdany lake, close to Iznote where we get picked up again by Ryszard. We watched the football game Poland-Russia together with his family – unfortunately it ended with a tie.
The bicycle tour goes on! Further towards east to Elk, where a new host was waiting for us. On the way to that town we needed the 1st time our rain suits - we had been really lucky so far! Dirk got his 1st haircut! 
Etappe" Masurische Seen":
17. Tag (06.06.): Malbork- Stalewo- Markusy- Stankowo- Jeloniki- Katy (3:52 h, 58 km)
18. Tag (07.06.): Katy- Marzewo- Morag- Zobi Rog- Jonkowo -Olsztyn (5:00h, 85km)
19. Tag (08.06.): Olsztyn- Zugfahrt nach Satopy Samulewo- Reszel- Swieta Lipka- Ketrzyn- Kwiedzina (3:51 h- 51 km)
20. Tag (09.06.): Kwiedzina- Gierloz (Wolfsschanze)- Ketrzyn- Nakomiady- Ryn- Mikolajki- Stare Sady (4:08h, 66km)
21. Tag (10.06.): Autofahrt nach Gasior (bei Iznota) und Kanutransfer nach Babieta. Kanutour: Babieta-Spychowo
22. Tag (11.06.): Kanutour: Spychowo- Polom- Zgon- Krutyn- Rosocha
23. Tag (12.06.): Kanutour: Rosocha- Wojnowo- Utks- Nowy Most- Gasior, Autofahrt Gasior- Stare Sady

2 Kommentare:

  1. Hallöchen ihr beiden!!
    Das ist soo schön!!! Ich beneide euch!! Und es freut mich dass es bei euch so gut läft!! DANKE für die vielen tollen Fotos und Eindrück!!

    Weriterhin allzeit gute Fahrt!! :-)
    Viele Grüße aus Jena sendet Andrea :-)

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    1. Danke - wir lieben Kommentare!
      In Polen wünscht man übrigens "Breite Strassen", haben wir uns sagen lassen.
      Dirk

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